Watt ein fieses Wort. Ich dachte gar nicht, dass mal jemand in diesem unserem Lande tatsächlich einen Fördermittelbetrug aufdecken würde und vor allem wollte. Nun hat es also die Fachhochschule Gelsenkirchen, respektive einige dort forschende Wissenschaftler erwischt. Paar Milliönchen sind da abhanden gekommen. Scheinfirmen in verschiedenen Bundesländern, sowie in der Türkei und Spanien dienten als Abfluss. Warum schaut denn da keiner genauer hin, wird jetzt lautstark gefragt und der Dieter wundert sich.
Wer meinen Blog verfolgt, weiß vielleicht, dass ich auch etliche Jahre in Förderprojekten gearbeitet habe. Stets war es mir ein Rätsel, wie es sein kann, dass man derart leicht an diese Gelder kommt, wenn ein gewisser Background, also ein mitantragstellendes Institut oder ein kommunaler Träger oder eine gemeinnützige GmbH oder eine Organisation der freien Wohlfahrtspflege, gegeben war. Und da geht es in der Regel nicht um ein paar Tausend Euro. Kalkulationen zur beantragten Fördergrößenordnung müssen zwar vorgelegt werden, überprüft werden die aber höchstens oberflächlich. So kommt es dann fast unvermeidlich zum Bewilligungsbescheid.
Sind die Gelder erstmal abrufbar, ist alles noch viel einfacher. Zwar muss man in regelmäßigen, in der Bewilligung festgelegten Abständen sogenannte Verwendungsnachweise erbringen. Diese sind jedoch im Zweifel more fiction than fact, weil weitestgehend auf harte Nachweise verzichtet werden kann. Schöngeistige, möglichst lange Berichtspamphlete dienen viel lieber als Nachweise. Und dass Papier geduldig ist, wusste weiland schon Gutenberg.
Alle Beteiligten pflegen sich gegenseitig ihres Konsenses zu versichern und treffen sich alle Nase lang, um geschäftige Projektarbeit zu dokumentieren. Ist dann jeder wieder in seiner Firma angekommen, beschränkt sich die Projektarbeit auf´s Gelder abrufen und Berichte schreiben, wenn´s muss.
In einem besonders krassen Fall habe ich einmal in großer Runde dem Chef einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die ja auch immer gern in Förderprojekten mitmachen, wegen der Personalkostenzuschüsse und so, gewagt zu widersprechen, indem ich in etwa sagte: „Glauben Sie, dass der Fördermittelgeber die von Ihnen gerade skizzierte Verwendung gutheißen würde? Wie wollen Sie denn das glaubhaft in einen Bericht schreiben?“
Der Wirtschaftsförderer versah mich mit einem langen, tiefen, feindseligen Blick. Hätte ich mit seiner Frau geschlafen und er´s rausgefunden, der Blick hätte nicht tödlicher sein können. „Wenn mich das Ministerium fragt, werde ich schon eine passende Antwort geben. Davon gehen Sie mal aus!“, zischte er zwischen seinen wie zufällig angeordneten Zähnen hervor. Kurz danach muss er wohl mit meinem damaligen Chef gesprochen haben, denn zwei Tage später wurde ich aus der Projektgruppe abberufen…
Wieder ein paar Jahre später konnte ich dann dabei zusehen, wie eine namhafte Kanzlei ihren Mandanten Fördergelder, natürlich zur Weitergabe an die Kanzlei besorgte, um dann ebenfalls dem Mittelzufluss keinen Dienstleistungsabfluss, außer dem Berichte schreiben folgen zu lassen. Hat auch niemanden gejuckt. Hat auch niemand genauer hingeschaut. Ging aber immerhin um sechsstellige Beträge…
Ich behaupte daher: Fördermittelbetrug ist Alltagsgeschäft in Deutschland.
interressant und glaubwürdig.
wie verhält sich ein angestellter, der noch ein gewissen hat, wenn er in seiner einrichtung feststellt das es dort ebenfalls nur mit „schumelei“ zu den bewilligten fördermitteln kommt ?
und kann er selbst mit seinem wissen einen nutzen ziehen ?
gruß
c.r.